Der Alltag mit einem Menschen mit Demenz kann sich mit der Zeit verändern. Dinge, die früher selbstverständlich waren, funktionieren plötzlich nicht mehr so wie gewohnt. Manche Tage laufen erstaunlich gut, an anderen Tagen kann schon eine kleine Veränderung für Unruhe sorgen.
Für Angehörige ist das oft nicht einfach. Man möchte helfen, weiß aber manchmal nicht genau, wie.
Es gibt leider keinen perfekten Umgang mit Demenz. Aber einige kleine Veränderungen im Alltag können vieles einfacher machen – für die betroffene Person und auch für die Angehörigen.
Hier sind 10 Tipps, die sich im Alltag bewährt haben können.
1. Ein fester Tagesablauf kann Sicherheit geben
Ein geregelter Tagesablauf kann Menschen mit Demenz helfen, sich besser zu orientieren.
Wenn möglich, sollten bestimmte Dinge ungefähr zur gleichen Zeit stattfinden. Zum Beispiel das Aufstehen, Frühstücken, ein Spaziergang oder das Abendessen.
Dabei muss nicht jeder Tag komplett durchgeplant sein. Schon einige feste Punkte können helfen.
Tipp: Einen einfachen Tagesplan gut sichtbar aufzuhängen, kann für manche Familien hilfreich sein.
2. In Ruhe und mit einfachen Worten sprechen
Lange Erklärungen oder mehrere Fragen hintereinander können schnell überfordern.
Versuche deshalb, ruhig und möglichst klar zu sprechen. Eine Frage nach der anderen ist oft einfacher.
Statt:
„Was möchtest du heute machen, möchtest du vielleicht spazieren gehen oder sollen wir erst einkaufen und danach noch zu deiner Schwester fahren?“
lieber:
„Möchtest du heute spazieren gehen?“
Danach einfach etwas Zeit lassen. Menschen mit Demenz brauchen manchmal länger, um eine Frage zu verstehen und darauf zu antworten.
3. Nicht jede falsche Aussage korrigieren
Es kann für Angehörige schwierig sein, wenn eine Person mit Demenz etwas erzählt, das offensichtlich nicht stimmt.
Trotzdem muss man nicht jede Aussage korrigieren.
Wenn beispielsweise jemand glaubt, dass er noch zur Arbeit muss, kann eine Diskussion darüber schnell zu Stress führen. In manchen Situationen ist es hilfreicher, auf die Gefühle dahinter einzugehen und anschließend das Gespräch vorsichtig in eine andere Richtung zu lenken.
Das bedeutet natürlich nicht, dass man gefährliche Situationen einfach akzeptieren sollte. Sicherheit geht immer vor.
4. Die Wohnung übersichtlich gestalten
Eine übersichtliche Umgebung kann die Orientierung erleichtern.
Wichtige Räume oder Gegenstände können beispielsweise mit einfachen Worten oder Bildern gekennzeichnet werden.
Auch eine gute Beleuchtung ist wichtig. Stolperfallen sollten möglichst entfernt werden, damit das Risiko für Stürze reduziert wird.
Manchmal sind es gerade die kleinen Veränderungen, die einen Unterschied machen.
5. So viel Selbstständigkeit wie möglich erhalten
Auch wenn jemand zunehmend Unterstützung benötigt, sollte er oder sie möglichst viele Dinge weiterhin selbst machen dürfen.
Vielleicht kann die Person noch den Tisch decken, Kleidung zusammenlegen, Pflanzen gießen oder beim Kochen helfen.
Es geht dabei nicht darum, dass alles perfekt erledigt wird.
Viel wichtiger ist das Gefühl:
„Ich kann noch etwas selbst tun.“
Wenn Angehörige aus Zeitdruck alles übernehmen, kann die Selbstständigkeit schneller verloren gehen.
6. Bei Unruhe erst einmal nach der Ursache suchen
Manchmal wird eine Person mit Demenz plötzlich unruhig, gereizt oder ängstlich.
Dann hilft es nicht immer, einfach zu sagen:
„Du musst dich beruhigen.“
Versuche stattdessen herauszufinden, was dahinterstecken könnte.
Vielleicht ist die Person müde, hungrig oder durstig. Vielleicht sind zu viele Menschen im Raum oder es gibt ungewohnte Geräusche.
Auch Schmerzen oder andere körperliche Beschwerden können eine Rolle spielen.
Wenn eine Veränderung plötzlich auftritt oder ungewöhnlich stark ist, sollte sie medizinisch abgeklärt werden.
7. Gemeinsam aktiv bleiben
Auch mit Demenz sollte der Alltag nicht nur aus Pflege bestehen.
Ein kleiner Spaziergang, Musik, Gartenarbeit, gemeinsames Kochen oder das Anschauen alter Fotos können schöne Beschäftigungen sein.
Dabei sollte man nicht darauf achten, ob etwas „richtig“ gemacht wird.
Es geht vielmehr darum, gemeinsam Zeit zu verbringen.
Was früher Freude gemacht hat, kann dabei ein guter Ausgangspunkt sein.
8. Zu viele Reize vermeiden
Laute Fernseher, mehrere Gespräche gleichzeitig, viele Menschen oder eine ungewohnte Umgebung können für einen Menschen mit Demenz anstrengend sein.
Wenn du merkst, dass eine Situation zu viel wird, kann eine ruhigere Umgebung helfen.
Auch bei Besuchen von Freunden oder Verwandten kann es sinnvoll sein, nicht zu viele Menschen gleichzeitig einzuladen.
Manchmal ist weniger einfach mehr.
9. Vertraute Dinge und Erinnerungen nutzen
Alte Fotos, bekannte Musik oder Gegenstände aus früheren Zeiten können Gespräche und Erinnerungen anregen.
Vielleicht gibt es ein altes Fotoalbum, Lieblingslieder oder Dinge aus einem früheren Hobby.
Dabei sollte man nicht versuchen, die Person zu testen:
„Weißt du noch, wer das ist?“
Das kann unnötigen Druck erzeugen.
Besser ist es, gemeinsam auf das Foto zu schauen und einfach darüber zu sprechen.
10. Auch du als Angehöriger brauchst Unterstützung
Dieser Punkt wird häufig vergessen.
Wenn man einen Menschen mit Demenz unterstützt, kann man schnell seine eigenen Bedürfnisse hinten anstellen. Anfangs funktioniert das vielleicht noch ganz gut. Auf Dauer kann die Belastung aber sehr groß werden.
Deshalb sind Pausen keine Schwäche.
Wenn möglich, solltest du dir Unterstützung von Familie, Freunden oder professionellen Angeboten holen.
Auch ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder einer Beratungsstelle kann hilfreich sein, wenn du nicht mehr weiterweißt.
Du musst nicht alles alleine schaffen.
Was im Alltag besonders wichtig ist
Bei Demenz gibt es nicht für jede Situation eine perfekte Lösung.
Was bei einer Person gut funktioniert, kann bei einer anderen überhaupt nicht helfen. Deshalb lohnt es sich, aufmerksam zu beobachten:
Wann fühlt sich die Person wohl? Was löst Stress aus? Was funktioniert gut?
Mit der Zeit bekommt man häufig ein besseres Gefühl dafür.
Und auch wenn manche Tage schwierig sind: Nicht jeder schlechte Tag bedeutet, dass man etwas falsch gemacht hat.
Fazit
Der Alltag mit Demenz kann herausfordernd sein. Kleine Veränderungen können aber dabei helfen, mehr Ruhe und Orientierung in den Tagesablauf zu bringen.
Ein geregelter Tagesablauf, verständliche Kommunikation, vertraute Beschäftigungen und eine möglichst sichere Umgebung sind einige Dinge, die Angehörige ausprobieren können.
Und genauso wichtig ist es, auf sich selbst zu achten und rechtzeitig Unterstützung anzunehmen.
Denn wer einen Angehörigen langfristig begleiten möchte, darf dabei die eigenen Kräfte nicht vergessen.
Hinweis
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische oder pflegerische Beratung. Bei neuen oder plötzlich auftretenden Beschwerden sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.